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Projekt-ID 360
Insbesondere bei sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen und Personen mit Migrationshintergrund ist das Tabakrauchen/der Nikotinkonsum überproportional verbreitet (Gmel et al., 2017; Storni, 2024). Diese Gruppen weisen nicht nur eine überdurchschnittlich hohe Rauchprävalenz auf, sondern haben auch einen erschwerten Zugang zu Präventions- und Rauchstoppangeboten
Der Tabakkonsum ist in der Schweiz sozial ungleich verteilt. Besonders benachteiligte Gruppen wie Menschen mit tiefem sozioökonomischem Status, Migrationshintergrund, tiefer Bildung und/oder prekären Arbeitsbedingungen rauchen überdurchschnittlich häufig und haben gleichzeitig erschwerten Zugang zu Rauchstopp-Angeboten. Das Vorprojekt Gemeinsam rauchfrei zeigte, dass aufsuchende, beziehungsgeleitete, muttersprachliche und milieuspezifische Rauchstopp-Interventionen im Gruppen- resp. Community-Setting erfolgreich sind. Basierend auf diesen Erkenntnissen wird das Modell mit Gemeinsam rauchfrei Plus (GRF+) weiterentwickelt, um noch besser durch die herkömmlichen Angebote bisher kaum erreichten Gruppen zu unterstützen sowie die Denormalisierung des Rauchens voranzutreiben.
GRF+ möchte den Zugang zu evidenzbasierten Rauchstopp-Angeboten für benachteiligte Gruppen weiter verbessern, die Durchlässigkeit zu bestehenden Programmen wie Stopsmoking.ch erhöhen und nachhaltige Strategien zur Denormalisierung des Rauchens in sozialen Netzwerken zu fördern.
Das Projekt setzt auf eine mehrstufige Intervention mit insgesamt 180 zweistündigen Workshops (WS) für 15-20 Personen in 15 verschiedenen Sprachen. Diese werden durch geschulte Rauchstopp-Trainer:innen (RST) und Ärzt:innen (A) in Kooperation mit Vereinen, Gemeinschaftszentren, religiösen Institutionen sowie anderen Formen der Selbstorganisation und deren Schlüsselpersonen (SP) durchgeführt. Ergänzend werden digitale Kurzvideos (testweise) produziert, um die TN auch nach den WS bei einem Rauchstopp zu begleiten und die Hemmschwelle zur Nutzung professioneller Rauchstopp-Angebote zu senken.
Zur Sicherstellung der Wirksamkeit und Umsetzbarkeit wird begleitend eine umfassende interne Evaluation durchgeführt. Diese besteht aus einer Machbarkeitsbewertung (für RST und Schlüsselpersonen) und einer Wirksamkeitsanalyse (für TN), die mittels standardisierter Befragung und qualitativer Interviews erhoben wird.
Direkte Wirkung: Knapp 2’000 Personen sollen durch die WS erreicht werden, davon mind. 50 % Rauchende. 20% der Rauchenden geben nach 3 Monate an, nicht mehr zu rauchen. Dazu berichten die nach wie vor starke Rauchenden über signifikante Abnahme der pro Tag konsumierten Zigaretten.
Indirekte Wirkung: Durch Multiplikationseffekte innerhalb sozialer Netzwerke werden über die Teilnehmenden hinaus weitere Personen erreicht und zum Rauchstopp motiviert.
Langfristige Wirkung: Die gezielte Denormalisierung des Rauchens soll Verhaltens- und Einstellungsänderungen in Gemeinschaften fördern und zur nachhaltigen Reduktion der Tabakprävalenz beitragen.
Strukturelle Wirkung: Die Vernetzung mit Stopsmoking.ch, Lungenligen und weiteren Akteuren der Tabakprävention soll die nachhaltige Betreuung von ausstiegswilligen Personen verbessern.
Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur nationalen Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD) und zur Suchtprävention sowie zur Strategie des Tabakpräventionsfonds TPF. Die gewonnenen Erkenntnisse werden über Fachtagungen, Netzwerktreffen und Publikationen national und international verbreitet.
01.05.2025 bis 31.05.2028
726 463 Franken
Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF
Dr. Corina Salis Gross
Konradstrasse 32
Postfach
8005 Zürich
corina.salisgross@isgf.uzh.ch